Das Sachgebiet Wasserwirtschaft des Kreises Soest gestaltet im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) jetzt auch den Mittel- und Oberlauf der Biber bis zur Kreisgrenze zum Hochsauerlandkreis naturnah. Foto: Jennifer Weber/ Kreis Soest

Kreis Soest  Nach Renaturierungsarbeiten im Unterlauf der Biber in den Jahren 2016 und 2017 (Mündung Möhne bis Biberteich) gestaltet die Wasserwirtschaft des Kreises im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) jetzt auch den Mittel- und Oberlauf bis zur Grenze zum Hochsauerlandkreis naturnah. Die Bauarbeiten haben am 5. November 2020 begonnen.

Damit der Bagger mit seinen Arbeiten beginnen konnte, hat die Untere Fischereibehörde den Altverlauf abgefischt, die gefangenen Fische gezählt und abseits der Bauarbeiten wieder eingesetzt. 41 Groppen, 33 Forellen, vier Döbel und zwei Frösche gingen ins Netz. Im Regelfall dürfen Bauarbeiten in diesem Gewässer zwischen dem 20. Oktober und dem 15. März wegen der Schonzeit der Bachforellen nicht durchgeführt werden. Aufgrund des warmen Sommers und des Wanderhindernisses hat die Obere Fischereibehörde eine Ausnahmegenehmigung erteilt, so dass die Maßnahme noch 2020 über die Bühne gehen konnte.

Zunächst verfüllt das beauftragte Tiefbauunternehmen im ehemaligen Fichtenwald den begradigten Altverlauf auf rund einen Kilometer, um dem Gewässer die Möglichkeit zu geben, sich ein neues, natürliches Bachbett in der Aue zu suchen. "Teilweise sind noch historische Abschnitte in digitalen Geländemodellen zu erkennen. Diese reaktivieren wir im Zuge der Maßnahmen. Intakte Auen liefern einen wichtigen Beitrag zur Grundwasseranreicherung und bieten einer Vielfalt von Pflanzen und Lebewesen einen Lebensraum", erläutert Bauingenieurin Jennifer Weber, zuständige Projektleiterin im Sachgebiet Wasserwirtschaft.

Punktuell werde neue Schlingen im Biberoberlauf angelegt, um eine weitere Eintiefung zu verhindern und somit ein früheres Ausufern in die Feuchtwiesen zu bewirken. Ebenfalls entstehen temporär wasserführende Stillgewässer. Kleine Wasserläufe werden in der Fläche verrieselt, um das umliegende Grünland zusätzlich zu vernässen und eine Optimierung der Biotope zu erreichen.

Um ein Durchlassbauwerke ökologisch durchgängig zu gestalten, wird in einen Durchlass Sohlsubstrat eingebracht und die Sohle unterhalb auf das neue Niveau angehoben, so dass auch schwimmschwache Lebewesen aufwärts wandern können. Eine weiteres Bauwerk besteht derzeit aus zwei Betonrohren und wird im Rahmen der Maßnahme komplett durch ein durchwanderbares Rahmenprofil ersetzt. (Pressemeldung Kreis Soest)